Zusammenfassung Saison 2016, Wechselbad der Gefühle

Die Saison 2016 neigt sich dem Ende zu. Momentan bin ich nach einem fünfwöchigen Auslandaufenthalt wieder zurück in der Schweiz (aktuell bereits wieder im Ausland, Gran Canaria). Die beiden 70.3 Rennen, welche ich in dieser Zeit absolvierte, verliefen beide nicht nach Plan. Nun sitze ich hier und überlege, wie ich meine Gefühle am Besten aufs Papier bringe. Dabei fällt mir auf, wie schwer das ist.

 

Ich habe mir viel vorgenommen für diese Saison. Bereits im Winter habe ich viel und gut trainiert, bin viel gereist, habe unzählige Stunden und Wochen weg von zu Hause in Trainingslagern verbracht. Viel Motivation, viel Zeit und auch viel Geld habe ich investiert um ein, wie ich dachte, so einfaches und bescheidenes Ziel wie „einfach besser werden“ zu erreichen. Je mehr Energie ich reingesteckt habe, desto mehr Energie hat es mir rausgesogen. Aufwand und Ertrag lagen deutlich zu weit auseinander. Natürlich habe ich das bemerkt, lange blieb ich positiv, immer wieder bin ich aufgestanden und habe weitergekämpft. Je krampfhafter ich versuchte, das Ruder rumzurreissen, desto mehr drohte ich meine Lockerheit, die eigentlich eine meiner Stärken ist, zu verlieren.

 

Ich hatte Angst, den Anforderungen nicht Stand zu halten. Anforderungen, die ich an mich selber hatte, Anforderungen welche meine Sponsoren an mich haben, Anforderungen, welche meine „Fans“ an mich haben, Anforderungen meines grossartigen Teams von Leuten, die mich auf irgendeine Art und Weise unterstützen. Dabei habe ich vergessen, warum ich den Sport eigentlich mache. Ich mache den Sport, weil er mich komplett macht, weil ich ihn liebe. Ich möchte mich weiterentwickeln, das Bestmögliche aus mir herausholen, meine natürlichen Grenzen ausloten und dabei Fairness und Freude am Sport nie verlieren. Die Freude am Sport ist teilweise auf der Strecke geblieben. Dies war wohl einer der grössten Fehler, der mir unterlaufen ist.

 

Natürlich habe ich dabei auch Leute vernachlässigt, nämlich die oben erwähnten Leute, deren Anforderungen ich Angst hatte, nicht gerecht zu werden. Schlechte Wettkampfergebnisse zu kommunizieren oder einen Homepageeintrag über Niederlagen zu schreiben, es gibt wirklich einfacheres... Ich wusste ja selber nicht, wie ich die Resultate einordnen soll. Was hätte ich da schreiben sollen? Zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Rennen verarbeitet hatte und darüber hätte schreiben können, waren sie bereits nicht mehr aktuell. Wohl war mir dabei nicht, ich merkte, wie ich euch lieben Lesern und allen, die mit mir mitfieberten, etwas schuldig blieb. Mir ist bewusst, auch das gehört dazu und ich werde mich in Zukunft wieder mehr darum bemühen. Ich hoffe, weiterhin auf eure Unterstützung zählen zu dürfen, denn so negativ dieser Eintrag klingen mag, ich bin noch nicht fertig. Das Feuer in mir brennt nach wie vor. Ich hoffe, aus meinen Fehlern zu lernen und ich hoffe, dass mir die Erfahrungen aus diesem Jahr auf dem Weg zu einem stärkeren Athleten im neuen Jahr helfen werden.

 

Trotz der sehr durchwachsenen Saison konnte ich ein komplettes Podest einschwimmen, fahren und laufen. Beim olympischen Non - Drafting Rennen in Locarno siegte ich mit über zwei Minuten Vorsprung vor dem 9-fachen Ironman Switzerland Sieger Ronnie Schildknecht. Bei der Challenge Mogan (Gran Canaria) erkämpfte ich den 2. Rang und den beinahe Heimwettkampf Ironman 70.3 Rapperswil beendete ich auf dem starken 3. Rang. Ebenfalls bin ich gesundheitlich und Trainings- leistungsmässig eigentlich so stabil wie nie zuvor, was mich fürs Neue Jahr zuversichtlich stimmt. Ausserdem habe ich auch sonst noch ein zwei Änderungen/Verbesserungen welche ich mir vorgenommen hab.

 

Mein Jahr ist noch nicht zu Ende. Ich werde am 10. Dezember noch den Ironman 70.3 in Bahrain machen. Nicht weil ich denke, dass ich in den wenigen Wochen meine Fitness auf ein ganz anderes Niveau hieven kann. Viel mehr weil ich Bock auf ein weiteres Rennen habe, ein Rennen das ich versuche mit mehr Lockerheit anzugehen und Spass daran zu haben. Wenn ich das erreiche und dazu im Ziel noch sagen kann: „Ich habe alles gegeben, was an diesem Tag drin lag“ wäre ich definitiv zufrieden, denn das wäre bereits ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Zudem weiss ich nun, nachdem ich euch medial so lange im Stich gelassen habe, alle die jetzt noch hinter mir stehen, stehen hinter mir „No matter what“. Vielen Dank für euren Support, es bedeutet mir sehr viel. Danke.

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