Ironman 70.3 Pescara, 1. Juni

Letzten Sonntag startete ich zum zweiten Mal am Ironman 70.3 in Italien. Angereist mit gestärktem Selbstvertrauen von der gezeigten Leistung in Frauenfeld, eine Woche zuvor, ging meine Wettkampfstrategie leider nicht auf.

Ich brauchte ein paar Tage, um mir klare Gedanken fassen zu können. Der 13. Rang passt so gar nicht mit meiner gezeigten Leistung zusammen. Enttäuscht war ich mehr mit der Art wie dieser Rang zustande kam, als mit meiner gezeigten Leistung. 

 

Einen Tag vor dem Wettkampf löste ein erhöhter Wellengang erste Spekulationen aus, ob es möglich sei, bei diesen Wellen zu schwimmen? "Ja klar ist es möglich, ich komme ja gerade von zwei Kilometern Wettkampfvorbelastung aus dem Meer." Am Abend beim Briefing wurde dann tatsächlich informiert, dass je nach Wellengang die Schwimmstrecke halbiert, oder sogar ganz gestrichen wird. Die Begründung sorgte bei mir nicht gerade für Begeisterung und lautete: "You know, it's not easy to swim with this waves." Versteht mich nicht falsch, ich habe durchaus Verständnis, dass man bei den Altersklassen Kategorien darüber diskutiert, ob man aus Sicherheitsgründen die Schwimmstrecke kürzt. Bei den Profis habe ich dafür wenig Verständnis. Triathlon ist unser Job und ein paar Wellen stellen keine Gefahr dar. Vielmehr ist es unfair den guten Schwimmern gegenüber und "easy" ist so ein Halbironman ja ohnehin nie. Ich jedenfalls kann mich nicht erinnern, dass mit der Begründung "You know it's not easy" eine Radstrecke gekürzt wurde weil sie 1000 Höhenmeter oder mehr aufweist. Auch das Laufen bei über 30 Grad ist nicht easy oder gänzlich ungefährlich, wird aber trotzdem nicht gekürzt. Schlussendlich sind eh die wenigsten von uns auf der Suche nach "easy", oder?

 

Der Rest ist schnell erzählt, die halbierte Schwimmstrecke und die Tatsache, dass kein Kanu oder ähnliches die Schwimmstrecke mitruderte respektive bei den Bojen ein korrektes umschwimmen sicherstellte, sorgte für ziemlich kleine Abstände. Ich konnte mich zusammen mit einem weiteren Athleten etwas vom Rest des Feldes absetzen, als wir nach einer Boje auf einmal wieder zu fünft waren wunderte ich mich schon sehr...

 

Auf dem Rad setzte ich mich sofort an die Spitze und machte Druck, trotzdem konnten immer mehr Athleten aufschliessen. Möglichst schnell zufahren und dann die Beine schonen war wohl die Devise. Dies war übrigens auch super gut möglich, da die Athleten hinter mir relativ schnell merkten, dass kein Schiedsrichter da war oder eingreifen würde. So kam es, dass ich während den ganzen 90 Radkilometer, bis auf zwei Athleten welche sich absetzen konnten vorne fuhr und mit 8 ausgeruhten Athleten im Windschatten, äh Schlepptau in die Wechselzone rollte. Ich war verärgert und gleichzeitig enttäuscht vom unsportlichen Verhalten einiger Athleten. Auf dem 13. Rang beendete ich den abschliessenden Halbmarathon, bei welchem ich mich vorallem auf den ersten Kilometern schwer tat einen guten Rhythmus zu finden und wohl die Tempoarbeit auf dem Rad ziemlich in den Beinen sass.

 

Auch ich gehöre zu den Athlteten welche ein möglichst gutes Resultat wollen, aber nicht um jeden Preis; Fairness und Sportlichkeit finde ich in unserem Sport ebenso wichtig. Etwas enttäuscht mit der ganzen Situation fuhr ich am nächsten Tag nach Hause. Trotzdem nehme ich auch positives mit, ich habe mit fairen Mitteln gekämpft und mein Bestes gegeben. Lustigerweise ist sowohl der gefahrene Wattschnitt deutlich höher als im Vorjahr, als auch die Laufzeit eine Minute schneller als bei meinem dritten Rang vom letzten Jahr. Dies zeigt mir, dass ich mich weiter verbessere und auf dem richtigen Weg bin.

 

 

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